Zum Hauptinhalt springen
Wisente

Wisent: Die Rückkehr der Wildnis

Ein Wisent im Wald ist kaum zu übersehen – und doch bewegt sich Europas größtes Landsäugetier oft erstaunlich ruhig zwischen den Bäumen. Wo es auftaucht, verändert sich der Wald langsam: Licht fällt auf offene Flächen, neue Pflanzen wachsen, Tiere kehren zurück.

Europas größtes Landsäugetier galt in freier Wildbahn als verloren. Heute lebt der Wisent wieder in Europas Wäldern. Als Schlüsselart trägt er dazu bei, Lebensräume offen und vielfältig zu halten. Wir helfen dabei.

Wisentherde niedersächsischen Wisentgehege Springe 

Ein Architekt lebendiger Landschaften

Der Wisent (Bison bonasus) verändert Ökosysteme nicht plötzlich, sondern über Jahre hinweg. Beim Wandern durch Wälder frisst er Laub und junge Triebe und verhindert so, dass Flächen vollständig zuwachsen. Dadurch bleiben Lichtungen und Übergangszonen erhalten, in denen andere Pflanzen wachsen können.

Gleichzeitig verteilt der Wisent Samen über sein Fell und seinen Kot – und verbindet so Lebensräume neu. Von dieser Dynamik profitieren Insekten, Vögel und zahlreiche andere Arten. Ökologen sprechen deshalb von einer Schlüsselart: Der Wisent hilft dabei, Biodiversität zu erhalten und natürliche Prozesse wieder in Gang zu setzen.

Die beinahe verlorene Art

Im frühen 20. Jahrhundert war der Wisent in freier Wildbahn ausgerottet. Alle heute lebenden Wisente Europas stammen von wenigen Tieren aus Zoos und Erhaltungszuchten ab. Dass die Art heute wieder in Europas Wäldern lebt, gilt als eine der großen Erfolgsgeschichten des internationalen Naturschutzes.

2020 stufte die Weltnaturschutzunion IUCN den Wisent von „gefährdet“ auf „potenziell gefährdet“ zurück – ein seltenes Zeichen dafür, dass langfristiger Artenschutz wirken kann. Gleichzeitig bleibt die Art fragil: Sie braucht genetisch vielfältige Bestände, ausreichend Lebensräume und die Akzeptanz der Menschen, die diese Landschaften mit ihr teilen.

Wenn Vielfalt schwindet

Der Verlust biologischer Vielfalt, fragmentierte Lebensräume und der Klimawandel verändern Europas Ökosysteme tiefgreifend. Der Wisent steht deshalb für weit mehr als nur eine einzelne Tierart. Er steht für die Frage, wie viel Wildnis unsere Landschaften künftig noch zulassen.

Der Wisent ist nicht einfach zurückgekehrt. Er wurde zurückgebracht. Das macht ihn zu einem Symbol dafür, dass Renaturierung möglich ist – wenn Wissenschaft, Geduld und gesellschaftlicher Wille zusammenkommen.

Springe: Wo Artenschutz Geschichte schreibt

Im niedersächsischen Wisentgehege Springe wird seit fast einem Jahrhundert an der Zukunft des Wisents gearbeitet. 1928 gegründet und später auf die reinblütige Wisentzucht spezialisiert, wurden hier Generationen von Tieren aufgezogen, die später Teil neuer Herden in ganz Europa wurden.

Springe ist dabei weit mehr als ein Gehege: Es ist ein Zentrum für Erhaltungszucht, Forschung und Umweltbildung. Auf rund 90 Hektar naturnaher Wälder und Wiesen wird hier sichtbar, wie moderner Artenschutz funktionieren kann – langfristig, wissenschaftlich begleitet und europäisch vernetzt.

Warum wir dieses Projekt unterstützen

Der Wisent zeigt, dass verlorene Arten zurückkehren können.

Er beweist, dass Naturschutz wirkt, wenn Wissenschaft, langfristiges Denken und gesellschaftlicher Wille zusammenkommen. Gleichzeitig steht er stellvertretend für ganze Ökosysteme. Wer den Wisent schützt, schützt auch Wälder, Lichtungen, Insekten und viele andere Arten.

Die Stiftung Tier-, Natur- und Artenschutz unterstützt dieses Projekt deshalb nicht nur wegen eines einzelnen Tieres – sondern wegen der Landschaften, die dadurch lebendig bleiben.

 

Vier Hebel für eine nachhaltige Zukunft

Genetik & Bestandsmanagement
Abstimmung mit europäischen Zuchtprogrammen, Gesundheitsmonitoring und sorgfältige Blutlinienpflege sichern langfristig stabile und genetisch vielfältige Bestände.

Lebensraumqualität
Strukturreiche Wald- und Offenflächen ermöglichen natürliches Verhalten und zeigen zugleich, welche Rolle Wisente für dynamische Ökosysteme spielen.

Wissenstransfer
Führungen, Bildungsangebote und digitale Formate machen Geschichte, Verhalten und Schutzstatus des Wisents für Besucherinnen und Besucher erlebbar.

Europäische Vernetzung
Der Austausch mit Rewilding- und Wiederansiedlungsprojekten in ganz Europa stärkt langfristig den Schutz der Art und ihrer Lebensräume.

Der Wisent ist zurückgekehrt. Doch seine Zukunft ist nicht selbstverständlich. Sie hängt davon ab, ob Menschen bereit sind, Wildnis wieder Raum zu geben.

Kontakt

Stiftung Tier,- Natur- und Artenschutz
Erlinger Höhe 14
82346 Andechs - Germany
Telefon +49 151 74489223
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Vom Finanzamt Fürstenfeldbruck als gemeinnützig anerkannt.

Über uns

Für die Stiftung Tier-, Natur- und Arten­schutz ist Arten­schutz immer auch Klima­schutz. Deshalb unter­stützt sie Tier- und Arten­schutz­projekte welt­weit und wissen­schaftliche Grund­lagen­forschung zur Förderung von Bio­diversität. Sie finanziert sich aus ihrem Vermögen und aus Spenden, die steuerlich absetzbar sind.